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Unser Alltagsleben können wir in drei Erfahrungsbereiche zergliedern: Einmal sind wir in der Lage, objektiv nachvollziehbare Handlungsabläufe zu vollziehen.
Wir können uns solche aber auch bloß vorstellen.
Das ist dann der zweite Erfahrungsbereich des Alltags.
Denken oder Vorstellen ist in der Regel nur für uns selbst einsehbar, also nicht unbedingt objektiv.
Dennoch ist es in seiner ganzen Subjektivität für uns ganz real und wichtig.
Das merken wir zum Beispiel, wenn wir, von einer lustigen Feier heimgekehrt, etwas angeheitert, die Türe zu öffnen versuchen. Das Schlüsselloch auf Anhieb zu finden, dürfte uns dabei möglicherweise etwas schwerer fallen, als es unter normalen Umständen der Fall wäre. Es kommt also auf unbeeinträchtigtes Denken an, um effiziente Handlungsabläufe zu sichern.
Denken ist zwar abstrakter, weniger greifbar und objektiv kaum einsehbar, aber dennoch unabdingbar, um sich in der Realität zurechtfinden zu können. Denken hat also Leitfunktion gegenüber dem Handeln.
Wie verhält es sich aber mit dem dritten Erfahrungsbereich des Alltags, nämlich der Selbstwahrnehmung im Unterschied zum Denken und Handeln ?
Setzen wir unser Vorhandensein als Ausgangspunkt allen Geschehens nicht meist als selbstverständlich voraus ?
Haben wir uns über dessen Bedeutsamkeit für den gesamten Geschehensablauf von Sein, Denken und Handeln in ihrer wechselseitig abhängigen Abfolge jemals Gedanken gemacht ? Denn schließlich gibt es da jemand, der denkt und handelt, und das bin schließlich ich. Ich erfahre mich also als den Ausgangspunkt der beiden anderen Erfahrungsbereiche des Alltags, Denken und Handeln. Ich bin mir aber nicht bewusst darüber, wie wichtig „der Grad“ meines Daseins auch für deren effizientem Vollzug von Denken und Handeln ist.
Denn wenn der Grad oder die Qualität des Denken mein Handeln beeinflusst, dann muss „der Grad“ oder die „Qualität“ meines Vorhandenseins wiederum das Denken genauso beeinflussen können wie sonst das Ausmaß des Denkens das Handeln bestimmt.
Jetzt kommen wir aber zu dem „Integral“ dieses Gedankenganges: Wenn klareres oder kultivierteres Denken einen Menschen erfahrungsgemäß zu besserer Handlung befähigt, was wäre dann, wenn klareres oder kultivierteres „Sein“ oder „Vorhandensein“ zu besserem Denken befähigen könnte ?
Was würde dann in diesem Zusammenhang „geschulteres Sein“ bedeuten ?
Die Antwort bringt uns wieder auf den Ausgangspunkt dieser Darstellung zurück, wo wir das Phänomen der ruhevollen Wachheit beschrieben haben. Darauf bezogen, macht es durchaus Sinn, wenn wir uns vorstellen, wir könnten „tiefer“ in unser Sein, also mehr zu uns selbst gelangen.
Der Ruhegrad macht dabei den entscheidenden Unterschied aus.
Wenn wir wach sind, denken wir. Und wenn wir schlafen, denken wir auch. Wenn wir das Denken bewusst oder halbbewusst wahrnehmen, nennen wir es wiederum Träumen. Dabei unterscheiden sich Wachen, Schlafen und Träumen physiologisch vor allem im Ruhegrad voneinander.
Das Maß des Ruhegrades allein bewahrt uns davor, eventuell „auszubrennen“ oder nach wenigen Tagen handlungsunfähig, ja sogar verrückt zu werden, nicht etwa das Maß des Denkens.
Ruhen heißt demnach „tiefer“ in uns eindringen zu können. Am tiefsten gelingt es uns allerdings durch Meditation, weil wir dann den höchsten Ruhegrad in uns aktivieren, während wir dennoch gleichzeitig auch wie im Schlaf nebenbei Gedanken haben können.
In der Meditation sind wir im höchsten bzw. im „tiefsten“ Maße  bei uns selbst.
Durch Meditation kultivieren wir unser Sein, wir erweitern damit unser Bewusstein, das heißt unsere Daseinskapazität im Unterschied zu unserer Denkkapazität.
Ein Mensch, der meditiert, mag sich von anderen Menschen in seinem Denken und Handeln auf den ersten Blick nicht wesentlich unterscheiden. Aber durch den Grad seiner Bewusstseinserweiterung lebt er zunehmend einen größeren Überblick, das heißt bewusster und mehr aus sich selbst heraus, und wird daher langfristig zunehmend in der Lage sein, sein persönliches Leben in den Griff zu bekommen.
Das ist der Sinn von Meditation. Man nimmt sich mehr selbst wahr und  beeinflusst dadurch in der Folge sein Denken und sein Handeln positiv. Gleichzeitig  befreit man sich von Stress und Spannungen, die andere ein ganzes Leben lang mit sich herumschleppen müssen und  in der Regel nur durch Gewöhnung daran in den Griff bekommen können. „Hilf’ Dir selbst, dann hilft Dir Gott“ heißt dem gemäß das Motto. Und ich würde hier an dieser Stelle das „Hilf Dir selbst“ sinnvoll durch „Hilf Deinem Selbst“ ersetzen wollen.



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Bliss Mystery School Stephan Atyanand Jürgens